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Zwei Langnasen im Reich der Mitte

02.04.2011 Ältere Beiträge

Keine Kommentare Anita Freitag-Meyer

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Am vergangenen Sonntag (27.03.2011) ging es für unseren Exportleiter Vincenzo Leone und mich auf nach Asien. Unser erster Kundenbesuch in Peking und Seoul stand nun endlich an! Seit vielen Jahren schon machen wir Geschäfte in diesen beiden Ländern und werden dort jeweils durch einen Exklusivimporteur (d.h., dass nur dieser eine Geschäftspartner unsere Ware handeln darf) vertreten.

Da sich die Region Asien generell sehr gut entwickelt, hielten wir es für lohnenswert, uns die Marktbedingungen einmal vor Ort anzusehen und unseren Partnern unsere „Aufwartung“ zu machen.

Vincenzo und ich treffen uns am Sonntag Nachmittag am Bremer Flughafen, von wo aus es über Amsterdam nach Peking geht. Der gut 9-stündige Flug vergeht recht schnell und wir können sogar für ein paar Stunden schlafen. Nachtflug sei Dank! So kommen wir einigermaßen erholt am Montag gegen 13:00 Ortszeit (+ 6 Stunden) an und werden mit einem herzlichen Lächeln und großem Hallo auf dem Flughafen begrüßt. Da wir leider während der nächsten drei Tage nur wenig Zeit für Land und Leute haben, wollen wir uns auf keinen Fall ins Hotel bringen lassen, sondern nehmen das Angebot, sogleich zur „Great Wall“- der Chinesischen Mauer-, zu fahren, dankbar an. Die Chinesische Mauer ist das größte Bauwerk der Welt und nach letzten Vermessungen 8.851,8km km lang (inklusive aller Naturbarrieren wie Flüsse und Berge). Sie wurde zu dem Zwecke gebaut, das chinesische Kaiserreich vor Angriffen seiner Feinde zu schützen. Auch wenn man es wirklich glauben möchte, wenn man dieses beeindruckende Bauwerk sieht, das übrigens von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, man kann sie NICHT aus dem Weltall sehen!

Weltkulturerbe Chinesische Mauer

Zum Glück gibt es eine Bergbahn, die uns nach oben zur Mauer bringt und so stehen wir nicht einmal 2 Stunden nach der Landung auf diesem Monument und staunen.

 

 

 

 

 

Anita Freitag-Meyer, herzlich in die Mitte genommen

 

 

 

 

 

 

Zufällig werden wir Zeugen eines Fotoshootings der besonderen Art: in China ist es Tradition, dass sich junge Paare vor ihrer Hochzeit in schönen Kleidern zur Erinnerung und für die Gäste als Geschenk in besonderem Ambiente ablichten lassen. Interessiert verfolgen wir, mit welch großem Aufwand hier Fotograf, Stylistin und Assistent für die richtige Inszenierung sorgen.

 

Rot steht für Glück und der Drache symbolisiert Macht, Stärke und Wohlstand

Unzählige Straßenverkäufer säumen unseren Weg zurück zum Auto, doch wir können widerstehen und kaufen keines der angebotenen Souvenirs. Im Hotel angekommen, machen wir uns in Windeseile frisch und werden dann von unseren Gastgebern in einem italienischen (!) Restaurant erwartet. Man möchte uns am ersten Tag nicht gleich mit der traditionellen chinesischen Küche „überfordern“ und so verleben wir einen regen Abend bei Pizza und Pasta. 🙂

Die lange Anreise und die vielen Eindrücke fordern ihren Tribut und so falle ich hundemüde gegen Mitternacht in die Federn. Am nächsten Morgen steht ein weiteres Kulturhighlight für uns auf dem Programm: Die verbotene Stadt. Ihren Namen trägt diese Sehenswürdigkeit aus der Zeit der chinesischen Kaiserdynastien. Die verbotene Stadt war für das gemeine Volk nicht zugänglich, denn hier lebten und regierten bis 1911 die Kaiser mit ihren Frauen, Konkubinen, Kindern und dem großen Hofstaat. Wir reihen uns neben den zahlreichen Reisegruppen in die Schlangen ein (nur haben wir keine bunten Hüte auf) und besichtigen die Kaiserpaläste und die beeindruckende Architektur. 

Nun ist aber Schluss mit Sightseeing und es geht los zum sog. „store check“ (Geschäfte gucken).

Unser Fahrer steuert sicher durch den dichten Verkehr der Hauptstadt, die mit ca. 4 Mio Autos droht am Verkehrskollaps zu ersticken. Die Stadtverwaltung war gezwungen zu handeln und die stark wachsende Stadt und ihren scheinbar unstillbaren Hunger nach Autos zu beschränken. So gilt seit diesem Jahr die Regel, dass Neuzulassungen nur bis zu einer Höhe von 20.000 pro Monat genehmigt werden. Im letzten Jahr waren es noch 50.000 Autos / Monat!

Wir sehen insgesamt 7 verschiedene Shopkonzepte – vom luxuriösen Department Store, über große Verbrauchermärkte, bis hin zum Cash & Carry-Markt (für Wiederverkäufer und Großkunden). Um unsere Wettbewerber nicht allzu sehr mit Informationen zu füttern, wird hier nur das schönste Foto gezeigt, das mich angesichts der super Platzierung unserer Artikel bis über beide Ohren strahlen lässt!

Entsprechend motiviert gehen wir in die anschließenden Verhandlungen und kommen für beide Seiten zu einem guten und zukunftsträchtigen Ergebnis.

Ein paar Minuten später ist der Tisch reich gedeckt mit etlichen Schüsseln und Schalen

An unserem zweiten und letzten Abend in Peking können wir es kaum erwarten, nun ein traditionelles chinesisches Essen serviert zu bekommen. Es gibt frittierte Hühnerfüße, Taubensuppe, gebratene Gänseleber, Schwein, Rind, Fisch und vieles, vieles mehr…voller Neugier greifen wir zu (ok, bei den Hühnerfüßen bleibe ich verhalten) und ich schaffe es trotz größtem Bemühen nicht, würdevoll mit Stäbchen zu essen! Nach kurzer Zeit reicht man mir stets Messer und Gabel 🙂 Ich muss zugeben, dass ich teilweise etwas überfordert war mit der echten asiatischen Küche und mich auch nicht an alles heran getraut habe. Vincenzo hingegen hat wirklich alles probiert (sogar Algensuppe) und voller Appetit zugegriffen!

Zum Abschied werden wir noch reich beschenkt. Wir bekommen jeder zwei große Dosen Tee überreicht – den ich übrigens gerade während des Schreibens trinke, lecker, ich glaube es ist Jasmin-Tee – und vier Wandgemälde für unsere Büros. Meine Zeichnungen zieren allesamt Fisch-Motive. In der chinesischen Symbolik steht der Fisch für Reichtum und Wohlstand. Es soll unserer Firma immer gut gehen – in diesem Sinne sagen wir auf Wiedersehen und versprechen, schon recht bald wieder zu kommen!

Doch noch ist unsere Reise nicht beendet und so starten wir am nächsten Tag mit dem Flieger in Richtung Seoul, Südkorea. Auch diese Stadt beeindruckt mit Superlativen, gehört sie doch als Metropolregion mit 20 Mio. Einwohnern neben Tokio, Mexiko Stadt, Sao Paulo und New York zu den fünf größten Ballungszentren der Welt. Hier wohnen im Schnitt 25.000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Im Vergleich dazu mutet unsere am dichtesten besiedelte Stadt München mit nur 4.000 Menschen ja fast verlassen an.

Da unsere Zeit in Seoul sehr knapp bemessen ist, bleibt uns für die Sehenswürdigkeiten dieser quirligen Stadt leider keine Lücke; unser Aufenthalt gilt allein der Markterkundung und dem Meeting mit unserem Kunden. 

Wir lernen, dass die Koreaner sehr gesundheitsbewusst sind und auf sich und ihre Ernährung achten. Die Portionsgrößen für Süßwaren im Handel sind deutlich kleiner als vergleichsweise in China und so erklärt es sich auch, dass wir hier ganz andere Produkte verkaufen. Interessant ist auch, dass Südkorea als einziges außereuropäisches Exportland unsere Bio-Artikel in beachtlichen Mengen gekauft hat. Unser Eindruck ist, dass die Koreaner ein sehr stolzes, überaus freundliches und respektvolles Volk sind. So fühlen wir uns auch hier sehr willkommen und nehmen nur positive Erfahrungen mit nach Hause. Apropos nach Hause…es geht wieder Richtung Heimat und unsere Asienwoche ist nur so an uns vorbei gerauscht. Alles ging viel zu schnell vorüber und so sitzen wir am Freitag wieder in der Maschine Richtung Amsterdam und fragen uns „wo ist nur die Zeit geblieben“.

Wir danken unseren Importeuren für die  langjährige, fruchtbare Partnerschaft und ich danke meinem Reisepartner Vincenzo Leone für  die gute Zusammenarbeit, wir sind ein gutes Team! 🙂



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