Die Zuckerquote – was ist das eigentlich?
“Zucker zaubert” habe ich meinen Vater oft sagen hören. Zucker macht das Leben süß, Zucker steht für Genuss und Gaumenfreuden. Einerseits. Andererseits wollen wir auch nicht die kritischen Stimmen gegen den Zucker als Lebensmittel mit vielen leeren Kalorien vergessen, die uns mahnen, den Zucker in Maßen zu uns zu nehmen. Das möge jeder für sich entscheiden, zum Backen ist er unerlässlich, gibt dem Gebäck die nötige Süße, den Biss und eine schöne Farbe.
Nun gab es in den vergangenen Monaten viel Diskussionen rund um diesen wichtigen Rohstoff. Von Verknappung war die Rede, manche Märkte teilten die Zuckermengen sogar zu, in Grenzgebieten zu Polen wurde er rationiert und die Preisentwicklung nahm rasant an Fahrt auf – steil nach oben! So leiden wir momentan im Einkauf unter Preissteigerungen von mehr als 50%. Das ist empfindlich viel und nicht immer 1:1 auf unsere Preise umzulegen…aber das ist ein anderes Thema, um das es heute nicht gehen soll.
In dem Zusammenhang um höhere Zuckerpreise werden immer wieder die Stichworte Zuckerquote und Zuckermarktordnung genannt. Was hat es damit auf sich?
Das EU-Quotensystem begrenzt die Produktionsmenge von Zucker für die Lebensmittel- und Getränkewirtschaft. Danach dürfen nur 85 Prozent des europäischen Bedarfs aus eigener Erzeugung kommen. Der Rest soll über Importe aus bestimmten Schwellen- und Entwicklungsländern gedeckt werden. Die Zuckerimporte seien jedoch zu einem großen Teil ausgeblieben, da die Produzenten aus diesen Ländern wegen hoher Weltmarktpreise in andere Regionen lieferten.
Die in dem IZZ (Infozentrum Zuckerverwender)zusammengeschlossenen Branchen fordern daher bis 2015 die Erhöhung der Zuckerquote auf 100 Prozent des Eigenbedarfs und danach die völlige Abschaffung des Quotensystems. (Quelle: NWZ online)
Der hohe Zuckerpreis und die Verknappung werden immer mehr zum Problem für Zuckerverarbeiter, also auch für uns Keksbäcker. Viele Branchenteilnehmer haben Beschaffungsprobleme und mussten sogar schon Aufträge für die Zukunft absagen, weil nicht sicher gestellt werden konnte, dass der Zucker verfügbar sein wird.
Die Zuckermarktordnung sieht vor, dass wir hier in der EU unseren Bedarf auch durch Importe aus Schwellen- und Drittländern decken, doch durch den gestiegenen Bedarf z.B. in Indien und China und dem hohen Weltmarkpreis ist es für diese Länder interessanter ihre Ware dorthin zu verkaufen. So kommt es zu der Verknappung auf unseren Märkten und dazu, dass kaum Importzucker nach Europa gelangt.
Im Vergleich zum Weltmarkt schneiden wir mit unserem Zuckerpreis zwar immer noch verhältnismäßig gut ab, das Problem der Verknappung bleibt jedoch und löst somit eine Reihe von Problemen aus.
Daher ist sich die Zucker verarbeitende Industrie einig: die Quote muss auf 100 Prozent Deckung des Eigenbedarfs angehoben werden und danach grundsätzlich abgeschafft werden!
Hier ein Artikel aus dem Weserkurier vom 20.12., in dem Anita Freitag-Meyer Stellung nimmt.

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