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Geschichten mit Keks: Bonny und der verlockende Keks

29.09.2014 Ältere Beiträge

2 Kommentare Anita Freitag-Meyer

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Hauskatze Bonny war allseits beliebt in der Nachbarschaft. Frauchen Jenny ließ Bonny jeden Morgen die Hausflur-Treppe nach draußen gehen. Es hatte sich so eingeschlichen, dass Bonny ungeduldig vorlief und dass Jenny hinterher ging, um ihr die Haustür zu öffnen. Manchmal traf Jenny unterwegs eine Nachbarin und unterhielt sich, während Bonny ungeduldig unten miaute, weil sie endlich raus wollte. Bonny wollte an diesem Tag ganz unbedingt und dringend nach draußen, war immer wieder zur Wohnungstür gelaufen, ans Bett gekommen, hatte Jennys Nasenspitze angestupst und war auf ihr auf und ab gegangen. Müde war Jenny aufgestanden und hatte die Wohnungstür geöffnet. Und schon schoss Bonny durch die Tür!

Auf der Treppe begegnete Jenny Sandra von unten, die gerade ihre Wohnungstür aufschloss. Bei ihr war ein Typ mit einer Brötchentüte in der Hand. Sonntagmorgen und Frühstück passten gut zusammen. „Hi, Jenny“, sagte Sandra. „Hat Bonny heute ihren Raketenantrieb aktiviert?“ Alle drei grinsten. „Das ist übrigens Thomas.“ Jenny und Thomas gaben sich die Hand. „Ja, bei dem schönen Wetter will sie früh raus. Man sollte hier einen Katzenaufzug einbauen“, sagte Jenny. Sie ging weiter und dachte, ‚Ist das ihr Freund? Der ist nett.’ Jenny kam unten an, aber Bonny war nicht zu sehen. Sie öffnete die Haustür und sah hinaus. Ein Teil der Wiese lag um diese Zeit im Sonnenlicht, dort legte sich Bonny gerne unter einen Busch. Aber Jenny entdeckte sie nirgends..

Nebenan sah sie Lea, eine der beiden Zwillinge von Nachbarin Rita. Sie übte auf dem Longboard. „Hast du Bonny gesehen?“ rief Jenny. Lea schüttelte den Kopf. Jenny hatte auch nicht gehört, dass jemand die Haustür geöffnet hatte. Manchmal war es vorgekommen, dass Bonny in eine offene Wohnung lief. Jenny ging zurück ins Haus. Um die Zeit konnte sie nicht einfach bei allen Nachbarn klingeln. Leise rief sie „Bonnyyyy!“ Keine Reaktion. Sie ging wieder hoch zu Sandra und schellte. Sandra kam an die Tür. „Sag mal, kann es sein, dass Bonny vorhin bei dir reingelaufen ist?“ Sie gingen „Miez-miez“-rufend durch die Wohnung, guckten unter dem Sofa, auf dem Thomas mit einem Croissant in der Hand saß, und unter dem Bett. „Keine Bonny“, Sandra zuckte mit den Achseln.

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Als sie zur Tür gingen, fragte Jenny ganz leise „Verliebt?“ Sandra nickte. „Sehr!“ Sie lächelten sich an.

Jenny ging in ihre Wohnung, ließ etwas Zeit verstreichen und schellte dann doch an jeder Wohnungstür, nur nicht an der von Herrn Kaufer, den mochte sie nicht. Frau Wiegand war überfreundlich, hatte aber die Wohnungstüre nicht offen gehabt. Die nächsten beiden auch nicht. Bei den Kesslers öffnete kleine Annika, die kaum ein Wort herausbekam. Ihre Mutter kam an die Tür. „Habt ihr Bonny gesehen?“ Annmarie Kessler machte ein besorgtes Gesicht. „Annika war schon raus vorhin. Weißt du, wo Bonny ist?“ Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Ich muss gleich mal weg“, sagte Annmarie, „und hab leider nicht viel Zeit.“ Jenny dankte und ging weiter. Sie dachte an den alten Kaufer. Der war wie ein Blockwart, wusste alles, überwachte jeden. Er war früher Hausmeister gewesen. Auch bei den restlichen Mietern dasselbe: Keiner hatte Bonny gesehen.

Jenny ging wieder nach oben und kam an der Tür von Herrn Kaufer vorbei. Sie blieb stehen und dachte ‚Ich muss da jetzt schellen’. Aber sie konnte nicht. Sie ging in ihre Wohnung und überlegte. Sie konnte Bonny mit Futter locken, aber dann kam sie auf die Idee mit der Kekstüte, denn Jenny aß gerne eine ganz bestimmte Keksmischung und wenn man die Tüte schüttelte, ergab das ein verführerisches Rascheln. Jenny ging in den Flur auf den Treppenabsatz, schüttelte die Kekstüte und rief „Bonnnyyyy!“ Dann lauschte sie.

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Tatsächlich hörte sie ein leises Miauen. Sie lehnte sich über das Treppengeländer. Das klang, als käme es aus der Wohnung vom Kaufer. Jetzt wurde sie wütend. Sie lief hinunter und klopfte heftig bei ihm. Kurz darauf öffnete er. „Haben Sie meine Katze in Ihrer Wohnung?“ Sie hatte die Arme in die Taille gestemmt. Er sah sie an wie einen Geist, sogar etwas kleinlaut wirkte er. „Ich? Nein.“ Sie raschelte noch mal mit der Tüte. Wieder das Miauen. Aber es kam nicht aus der Kaufer-Wohnung, es kam von gegenüber – aus der Wohnung der Kesslers. Die Tür ging dort einen Spalt auf, Bonny kam heraus und Jenny entgegen. Bonny schubberte sich an Jennys Bein. In der Tür stand Annika. Sie blickte zu Boden. Jenny ging zu ihr rüber. „War sie doch in der Wohnung bei euch…“ Annika nickte.

Jenny sah ihrer kleinen Nachbarin in die schuldbewussten Augen und beugte sich zu ihr hinunter. „Hättest du gerne auch ein Haustier?“ Annika nickte wieder. Sie erzählte, dass sie vorhin rausgewollt hätte und Bonny einfach in ihr Zimmer gelaufen wäre und sich in ihren Sitzsack gekuschelt hätte. Das hätte sie so süß gefunden, und ihr größter Wunsch im Leben wäre, eine eigene Katze zu haben. Ihre Mutter würde das aber nicht wollen. Deshalb hätte sie Bonny vor ihr versteckt. Jenny musste lächeln. „Und da wolltest du Bonny nicht mehr hergeben? Du kannst mich einfach mal fragen, ob sie bei dir sein kann, oder du kommst zu mir nach oben. Da hat deine Mutter sicher nichts dagegen.“ Sie strich Annika über die Haare und gab ihr die Kekstüte. „Raschel mal damit, dann kommt sie.“ Das Mädchen nahm die Tüte, raschelte damit und rief „Bonny, komm!“ Bonny flitze zu ihr. „Es tut mir leid“, presste sich Annika heraus. „Nicht so schlimm“, sagte Jenny.

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Unten wurde die Haustür aufgeschlossen. Annikas Mutter kam die Treppe hoch. „Ach, da ist ja die Ausreißerin“, sagte Annmarie Kessler. „Wo war sie denn?“ fragte sie. „Im siebten Himmel“, sagte Jenny lächelnd. „Annika hat gerade gefragt, ob sie Bonny mit in ihr Zimmer nehmen darf. Ich hätte nichts dagegen.“ – „Wenn die Wohnung hinterher noch steht…“, sagte Annmarie. „Sofern ich Annika die Kekstüte mitgeben darf, werdet ihr überleben.“ Alle lachten. Jenny hatte sich verabschiedet, und bevor Annika die Tür schloss, hatte sie Jenny angelächelt. Das erste Mal, seit Jenny sie kannte.

Wir hoffen, auch diese „Geschichte mit Keks“ hat Euch gefallen! Wir danken Nicole Adler für die so liebe voll gestalteten Illustrationen! Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr uns gerne auch eine neue Geschichte schicken, die wir wie immer hübsch illustrieren lassen und die wir für unser Keksgeschichten-Buch sammeln!

 



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2 Antworten auf „Geschichten mit Keks: Bonny und der verlockende Keks“

  1. Es ist schon ein Phänomen mit welchen Überraschungen uns unsere lieben Dachhasen (Stubentieger) tagtäglich erscheinen.
    Vor längerer Zeit hatte ich eine kleine Party und vergaß diverse Kleinigkeiten wie Chips,Salzstangen,Kekse,etc. die ich für meine Gäste bereit hielt weg zu räumen.
    Ich ging davon aus,daß es für meine Katzen (ich habe 3 von diesen Rabauken) uninteressant sei.
    Niemand von denen hatte sich jemals zuvor für diese Naschereien interessiert,doch als ich dann erwachte und in das Wohnzimmer ging,saßen zwei von ihnen auf dem Tisch (was ich überhaupt nicht mag-und dieses während meiner Anwesenheit im Raum eigeintlich nicht machen-) und vergnügten sich an den Leckereien die noch übrig waren.

    Lorenz der eigentlich der aktiviere ist lag entspannt auf dem Schrank uund beobachte das Treiben mit einem langweiligen und neugierigen Blick zugleich,während Tom sich an den Käsechips und Minka an den Keksen (den Namen nenne ich hier nicht) genüßlich machten.

    Mein Erscheinen reichte,daß beide vom Tisch sprangen und ins Schlafzimmer rannten um sich anschließend zu verkriechen.

    Jedenfalls werde ich in Zukunft keine Leckereien die für Katzen eigentlich nicht bestimmt sind auf dem Tisch lassen,doch werde ich aus reiner Neugier heraus meinen Lieblingen kosten lassen.

    Wer weiß schon,ob etwas leckeres dabei ist???

    Seid ganz lieb gegrüßt

    Frank

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